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Ben Schadow – der ruhige Musiker im Hintergrund tritt ins Spotlight

Ben Schadow beschreibt sich selbst als schüchtern und still – doch mit seinem Soloalbum, an dem er 2 Jahre gearbeitet hat, geht er jetzt in die Offensive. Nicht nur musikalisch, auch im Vertrieb schlägt er diesen Weg ein. In Eigenregie schrieb er mich an, gab mir sein Album vorab zum Hören via Dropbox frei und bat mich um eine Rezension. Was tue ich lieber als das!

Ben Schadow - der ruhige Musiker im Hintergrund tritt ins Spotlight

Foto: Ben Schadow, Pressekit

Wer ist eigentlich Ben Schadow? Er ist der Mann am Bass, im Hintergrund bei Bernd Begemann und Dirk Darmstädter, schreibt und produziert viel für andere und scheint unentwegt auf Tour zu sein. Ein Vollblutmusiker, der nun nach intensiver Arbeit den Schritt ins Spotlight wagt und mit seinem Album „Liebe zur Zeiten der Automaten“ am 18.05. den Musikmarkt betritt. Timezone Records bringt es heraus, am 04.05. erschien die erste Single „Ich fall immer auf die selben Dinge rein“.

Ben Schadow - der ruhige Musiker im Hintergrund tritt ins Spotlight

Das Album ist guter deutscher Singer-Songwriter-Pop mit Anlehnungen an die 60er und 90er Jahre. Seine Texte sind humorvoll-romantisch und abwechslungsreich. Ruhige Songs, perfekt für einen ruhigen Abend auf der Couch, zu zweit, aneinander gekuschelt, aber doch nicht zu romantisch. Seine Songs und vor allem die Texte reiben sich, wie wenn man schon etwas länger in einer Beziehung ist und der rosarote Lack langsam von der Oberfläche abblättert. Etwas „antireal“, aber schön. Tiefgründig. Wieder mal etwas anderes in der Musikszene – eine Bereicherung der Hamburger Szene.

Das komplette Album gibt es übrigens bei Songpool zu hören. Ende Mai wird er auf Tour gehen (Daten am Ende des Artikels), bin sehr gespannt, wie sich das Ganze live anhören wird!

Seinem Label gab Ben übrigens vorab ein sehr interessantes Interview, welches ich euch nicht vorenthalten möchte und mehr Einblick in die Künstlerseele bietet:

Lieber Ben, erzähl uns was über den Titel deines neuen Albums „Liebe zur Zeit der Automaten“.

Eigentlich war es gar nicht so schwer, einen Titel für mein Album zu finden. Ich wollte einen Titel, der wie eine Klammer um meine Texte steht. Ich musste mir also nur die Frage stellen, was hat mich in der Zeit, in der ich die Lieder schrieb – einem Zeitraum von ca. 3 Jahren – am meisten beschäftigt. Über allem thront die Frage: „Wie hat meine Fantasie meine Umwelt geformt, was ist real und welchen Einfluss hat das auf mein Handeln und umgekehrt auf das Handeln meiner Umwelt mir gegenüber?“ 

Es geht also um den Clash von Projektion, Fantasie und Realität und wie man darin emotional umher stolpert.

„Ich bin ein absoluter Verfechter der Antirealität“, sagt der Don Quijote in dem Theaterstück, für das ich gerade die Musik mache. Das ist – glaub ich – ein Jonathan Meese Zitat und passt sehr gut zu meiner Sicht der Dinge: „Wenn ich die Welt sowieso nicht so sehen kann wie jemand anderes, dann sehe ich sie doch einfach so, wie sie mir am schönsten ist.“

Ich mag das Schwärmerische in den Texten der Romantik; Den Konflikt zwischen einer geheimnisvollen, unkontrollierbaren Natur und der geordneten, kontrollsüchtigen Menschheit. Im E.T.A. Hoffmanns Buch „Der Sandmann“ verliebt sich die Hauptfigur mit größter, hilfloser Leidenschaft in einen Automatenmenschen und endet im Wahnsinn, als er seinen Irrtum erkennt. Für mich ist das eine perfekte Metapher für alles, was ich gerade gesagt habe. Daher also der Titel: „Liebe zur Zeit der Automaten“

Du hast zahlreiche musikalische Projekte. Wie kam es z.B. zu der Zusammenarbeit mit Dirk Darmstädter?

Das war ein schleichender Prozess. Ich bin ja seit fast 10 Jahren mit Bernd Begemann und der Befreiung als Bassist – und seit zwei Alben auch als Produzent – unterwegs. Vor zwei Jahren haben Bernd und Dirk zusammen eine Platte mit alten, deutschen Rock’n’Roll Titeln aufgenommen, auf der ich Bass spiele. Da sind Dirk und ich das erste Mal musikalisch in Kontakt gekommen, obwohl wir uns schon vorher kannten. Wir haben einen ähnlichen Musikgeschmack und es hat sofort funktioniert. Seitdem fragt er mich, wenn er einen Bass braucht. Es ist wirklich schön, dass die Musiker, mit denen ich spiele, alle leidenschaftlich in das Musik machen verliebt sind und so wenig an das hässliche Drumherum denken. Ich hab großes Glück, dass ich mit wenigen Idioten zu tun habe. Von denen gibt es in der Musikwelt wirklich en masse. 

Ich könnte mich z. B. stundenlang über das langweilige Phrasengedresche, das zur Zeit in deutschen Texten üblich ist, echauffieren. Oder darüber, dass es immer diese beknackte „four on the floor“ Bassdrum sein muss. Von nervigen, allgegenwärtigen Achtelschrammelgitarren ganz zu schweigen! Aber das will – glaub ich – keiner hören.

Wie sehen Deine musikalischen Pläne für den Rest des Jahres aus?

Erstmal bin ich ziemlich gespannt, wie die Reaktionen auf mein Album sind. Das ist für mich ja das erste Mal, dass ich mich nicht hinter einem Bandnamen verstecken kann. Zum Release gibt es eine Tour vom 21. Mai bis zum 8. Juni. Vorher erscheint eine digitale Single als Teaser fürs Album, auf der zwei non-Album Tracks drauf sind: Neuaufnahmen von Liedern meiner alten Band „les garcons“, die immer noch öfter mal live gewünscht werden. Natürlich will ich auch im Herbst wieder mit meiner Platte unterwegs sein.

Parallel sortiere ich bereits Material fürs nächste Album, bin im Mai mit Bernd unterwegs, spiele ein paar Termine mit Dirk und im besagten Theaterstück „Don Quijote – Trip zwischen den Welten“ am Thalia Theater in Hamburg. Ausserdem toure ich ganz viel mit meiner Dresdner Band „pretty mery k“.

Das sind alles so tolle Projekte! Manchmal kann ich gar nicht glauben, wie viel schöne Musik ich machen kann und darf. Trotzdem wird 2012 das Jahr mit einem klaren Fokus auf „Ben Schadow“ als Projekt. Es hat so lange gedauert, bis ich mich endlich wieder als Frontmann rausgetraut habe. Das will ich vollkommen auskosten und weiter ausbauen. Für Musik und das Musik machen sind es schwierige Zeiten, was ja hinlänglich bekannt ist. Aber gerade das sehe ich als Herausforderung. Ich fühle mich in der Rolle des Wahnsinnigen, der, obwohl er nicht besonders gut singt, trotzdem singt, der, obwohl niemand mehr zu kleinen Konzerten geht, trotzdem leidenschaftlich gerne kleine Konzerte gibt, und der, obwohl zur Zeit vor allen Dingen Parolen Gehör finden, gerne feinsinnig Texte poliert. Ich bin ein absoluter Verfechter der Antirealität. 

Tourdaten zum Albumrelease: Ben Schadow Band plus Pele Caster 

22.05. Dresden – Zille

23.05. Hildesheim – VEB Club

24.05. Erfurt – E-Burg , Cafe Duck Dich (open air)

25.05. Berlin – Valentinsstüberl (Neu-Kölln)

26.05. Halle – Brohmers

27.05. Kiel – Prinz Willy

30.05. Hamburg – Zentrale (Spätkonzert, n.d. Theatervorstellung)

01.06. Frankfurt – das Bett

02.06. Mannheim – O-Ton

03.06. Tübingen – tba

04.06. München – 8 Below

05.06. Stuttgart – Zwölfzehn

06.06. Dortmund – Pauluskirche

07.06. Köln – Theater/dieWohngemeinschaft

08.06. Itzehoe – Lauschbar

Danke, Ben und auf bald!

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