Amy Winehouse mit ihrer Band, 16.10.2007, CCH3, Hamburg

Amy Winehouse & der Club 27

Acht Jahre. Acht verdammt lange Jahre ist eine der begnadetsten Stimmen einer ganzen Generation verstummt. Amy Winehouse war neben Joss Stone und Duffy die ganz große Hoffnung des Souls, die 2011 dem Club 27 beitrat. Der berühmt-berüchtigte Club von Musikern, die aufgrund von Drogen und Alkohol ihr Leben zerstörten. Zu ihm gehört u.a. auch der legendäre Doors-Sänger Jim Morrison und die Rockstimme der 68er, Janis Joplin, aber auch Nirvana-Sänger Kurt Cobain.

Dabei war Amy Winehouse schon auf einem guten Weg, endlich Alkohol und Drogen hinter sich zu lassen, als ihr lebloser Körper an diesem 23. Juli 2011 in ihrem Haus in Camden (London) gefunden wurde. Doch wer sie wie ich vorher live erlebt hatte, der wusste, dies konnte nicht so weiter gehen. Zum Teil stand sie völlig weggedröhnt und besoffen auf der Bühne. Es gibt legendäre Aufnahmen davon, wie z.B. von ihrem letzten Aufritt in Belgrad am 18. Juni 2011. Jeder konnte öffentlich ihrem Verfall zusehen, der nicht zuletzt auch ihrer Familie, allen voran ihrem (Ex-)Ehemann Blake Fielder-Civil zu verdanken war.

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„Frank“ – die Anfänge von Amy Winehouse

Amy Jade Winehouse hatte sicherlich keine einfache Kindheit – die Trennung der Eltern, häufiger Schulwechsel wegen auffälligen Verhaltens. Doch eins bewahrte sie sich in dieser Zeit: die Liebe zum Jazz. Ihr Vater Mitch und seine Jazzplatten waren das Fundament ihres musikalischen Talents. Diese Wurzeln sind sehr deutlich auf dem ersten Album „Frank“* zu hören. Schaut man heute durch das Art Work der Platte, sieht man eine andere Amy als wie wir sie in der Öffentlichkeit sahen nach dem überragenden Erfolg ihrer zweiten Platte „Back to Black“*. Fast pummelig wirkt Amy Winehouse damals noch. Doch das ist nur der verzerrte Blick, denn am Ende war Amy Winehouse nur noch Haut und Knochen. Außerdem hatte sie damals noch nicht die Beehive-Frisur der späteren Jahre und kaum Tattoos. Ein fast unscheinbares Mädchen aus der Vorstadt. Wenn da nicht diese Stimme wäre…

Schon auf „Frank“ beweist die damals 20-Jährige ihr Talent. Bis auf zwei Coversongs stammen alle Liedtexte von ihr. Doch stilistisch ist es noch eine Mischung und Amy Winehouse in der Findungsphase. Hip Hop, Reggae, Soul, Jazz – alles ist irgendwie zu einer spannenden Mischung verwoben (was mir aber fast am Besten gefällt). Erst Mark Ronson, der „Back to Black“ produziert, gibt ihr den Schliff, der ihren internationalen Durchbruch 2006 bedeutet. Mark Ronson machte „Back to Black“ zu DEM Soul-Album der 2000-Jahre. Unverwechselbar. Mit eindeutigen Anleihen in den 1960ern und mit einer verwandelten Amy. Der Beehive. Die Kleidung. Alles war perfekt und passte zum Zeitgeist. Vor allem auch „Valerie“, das The Zutons-Cover, welches Mark Ronson auf seinem eigenen Album verwendete, brachte ihr einen immensen Erfolg ein.

Der Absturz und Durchbruch gleichzeitig – „Back to Black“

Erfolg, mit dem Amy Winehouse vielleicht nicht gerechnet hatte, den sie vielleicht nicht verwinden konnte. Dazu ein Ehemann, der sie an harte Drogen heranführte und den Entzug unterband. Ein Ehemann, der eigentlich selbst eine Droge für Amy war. Der Mann, der der Grund für „Back to Black“ war. Der schon verheiratet war, als sie ihn kennenlernte. Der zurück ging zu seiner Frau und Amy mit dem Schmerz zurück ließ und nach ihrem Durchbruch wieder zu ihr zurück kam. Eine zerbrechliche Seele am Abgrund und Drogen führten sie über die Schwelle…

Für das Video zu „Valerie“ war sie 2007 gar nicht mehr in der Lage. Mark Ronson musste sich eines filmischen Tricks bedienen. Wir alle konnten den Abgrund also lange vor 2011 sehen und waren dennoch nicht in der Lage, den Absturz in selbigen zu verhindern.

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Amy Winehouse live in Hamburg

Ich selbst hab die zerbrechliche, betrunkene, zugedröhnte Amy live am 16.10.2007 in Hamburg erlebt. Glaube, für 27 Euro spielte sie mit ihrer Band im CCH3. Keine schöne Location, aber da war sie. Die zerbrechliche junge Frau. Verstärkt von einer Band starker Männer. Von Tänzern und Musikern in einer Wohnzimmeratmosphäre und mit begeisterten Fans, die sie feierten. Doch das schien nicht genug. Oder zu viel. Wir werden es nie erfahren. Begleitet wurde sie von ihrem Mann, mit dem sie anschließend taumelnd das CCH3 verließ.

Amy Winehouse mit ihrer Band, 16.10.2007, CCH3, Hamburg
Amy Winehouse mit ihrer Band, 16.10.2007, CCH3, Hamburg

Vom Konzert selbst ist mir in Erinnerung geblieben, wie oft doch der Background für sie einsprang. Wie unsicher sie auf ihren High Heels, das Glas in der Hand, unverständliche Worte murmelnd, nervös an ihrem Kleid zuppelnd und einen satten eher Calypso-Reggae-Sound spielend auf der Bühne stand. Ein einziges Konzert, das reichte, sie nicht noch einmal live hören zu wollen. Damals spielte sie aber wenigstens noch halbwegs ein komplettes Konzert. Später war man wirklich besser dran, keine Karten zu kaufen. Diese wurden teurer, die Shows kürzer, wenn sie denn nicht komplett ausfielen oder abgebrochen werden mussten. Amy Winehouse war eine sehr unsichere Kandidatin, wenn es um Konzerte ging – und schon damals dachte ich, wenn sie älter als 27 wird, ist das schon alt. Fast prophetisch war damals schon mein Eindruck und keine vier Jahre später und nicht älter als 27 starb sie an einer Alkoholvergiftung mit über 4 Promille im Blut.

You sent me flying…

Traurig. Unendlich traurig. Denn ihre Stimme war kratzig und warm zugleich. Die Texte mit einer gewissen Prise Ironie versehen. Was hätte Amy Winehouse noch zu erzählen gehabt? Wir werden es nicht erfahren. Ein drittes Album war geplant, wurde aber abgesagt. Mit „Lioness: Hidden Treasures“* kam noch ein Album heraus, welches Demos aus Aufnahmesessions der ersten Alben enthielt. Nur ein einziger neuer Song fand seinen Weg an die Oberfläche – das Duett mit dem unvergleichlichen Tony Bennett. Eine Handvoll Songs sind ihr Vermächtnis. Songs, die uns zum Träumen anregen und die uns wünschen lassen, Amy Winehouse hätte die Kurve noch bekommen. Aber es hat nicht sollen sein…

P.S.: Kurze Anekdote – meine Fotos von 2007 sind sicherlich noch auf irgendeiner alten Festplatte. Doch ich hatte sie auch einem Konzertfotografen, mit dem ich damals zusammenarbeitete, gegeben. Es waren zwar keine Profifotos, sie wurden mit meiner ersten Digitalkamera, einer Konica Minolta DiMAGE X50 gemacht, denn ich war privat da. Aber die Fotos waren für mich ausreichend für die damalige Zeit. Ihn habe ich heute angeschrieben, um sie für diesen Artikel nutzen zu können. Denn die Bilder sind immer noch in seinem Fotoportfolio. Dabei ist mir wieder klar geworden, wie viele verschiedene Leben ich schon geführt habe und wie schnell die Zeit vergeht. Nutze den Tag und gib Alkohol und Drogen keine Chance, Dein Leben zu versauen! Morgen kann es schon zu spät sein.

Quälen Sie sich mit Selbstmordgedanken, dann finden Sie hier Hilfe und Beratung: Telefon 0800/1110111 oder beim Weißen Ring 01803/34 34 34 oder bei der Deutschen Gesellschaft für Suizid-Prävention, Telefon 0921/28 33 01.

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In meinem Flickr-Album „concert photos“ sind auch diese und weitere Fotos nun zu finden.

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