Curtis Harding © Nicolas Joubard, Flickr 27.03.19, CC BY-NC 2.0-Lizenz.

Curtis Harding – mein Künstler des Monats

Manchmal sind die Empfehlungen des Algorithmus‘ meines Musikdienstes doch sehr exakt auf meine aktuelle Stimmlage und derzeitigen Musikgeschmack abgestimmt. Im wöchentlichen Release Radar von Spotify zeigt das Musikprogramm immer wieder seine Stärke und gräbt wahre Schätze aus. Letztens tummelte sich ein 39-jähriger Sänger aus den USA darin, den ich bisher nicht auf dem Zettel hatte und der mein Ohr im Sturm eroberte – Curtis Harding.

Curtis Harding, Pressefoto (via Plattenfirma Anti-). Foto: Matthew Correia.
Curtis Harding, Pressefoto (via Plattenfirma Anti-) Foto: Matthew Correia

Curtis Harding – Soulmusiker im falschen Jahrzehnt

Im Stile der guten 1960er komponiert Curtis Harding Soulmusik, die er selbst „slop ’n‘ soul“ nennt. Anleihen im Blues, Gospel, Funk und auch Rock und Pop sind nicht zu überhören. Dazu trägt er auf den Covern seiner zwei bisher erschienen Alben einen stilechten Pornoschnubbi und wenig Kleidung, lässig eine Kippe im Mund. Beide Male setzte ihn Designer und Fotograf Hedi Slimani in Szene. Irgendwie passt das zu dem Bild, das ich von den 1960ern habe.

Curtis Harding begann als Backgroundsänger, u.a. von Cee Lo Green. Doch nach dem von der Kritik vielbeachteten Erstling „Soul Power“ (2014) mit Einflüssen aus New und Northern Soul setzt er mit „Face Your Fear“ 2017 seinen Weg zum Major Artist weiter fort. Dazu holte er sich u.a. Danger Mouse als Produzenten mit an Bord, um seinem gut gemachten, aber alt und somit für mich zeitlos klingendem Sound etwas Neues hinzuzufügen. Dies hatten Kritiker beim ersten Album angemerkt und ja, vielleicht ist dies der Grund, warum mir das zweite Album im direkten Vergleich besser gefällt. Es macht mir richtig gute Laune. Dazu muss ich einfach lächeln, mitsingen, mittanzen.

Allein der Opening Track „Wednesday Morning Atonement“ ist ein Meisterwerk. Die GQ bezeichnete den Song als einen, der so gefühlvoll ist, dass er sowohl für eine Beerdigung als auch für eine Hochzeit denkbar wäre.

The rare song that could soundtrack a wedding or a funeral, at once celebratory, sad, groovy, and of course, very soulful. – Shakeil Greeley (GQ)

Soul als Soundtrack

Die anderen Songs von „Face Your Fear“ sind dem klassischen Soul sehr nahe, aber könnten auch oft als Soundtrack für diverse Hollywoodfilme dienen – vor allem der titelgebende Track „Face Your Fear“. Dieses Potential erkannte auch Lenny Kravitz und setzte ihn 2018 auf seiner Tour als Opener bzw. Support ein. Im Nachgang veröffentlichte Curtis Harding die Single „It’s Not Over“. Doch auch das zuletzt erschienene „Where We Are“ ist zeitlos schön und könnte ebenfalls in seiner orchestralen Fassung einem traurigen Film über New York City als Soundtrack dienen.

Dieses Jahr gibt er zwei Konzerte in den Niederlanden und ich komme so im Juli auf dem North Sea Jazz Festival in den Genuss, den Mann mit dem beeindruckenden Sound live zu hören.

Hör‘ doch mal rein:

Headerfoto: Curtis Harding © Nicolas Joubard (zum Original, via Flickr, CC BY-NC 2.0-Lizenz)

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