Jochen Distelmeyer – Songs from the Bottom, Vol. 1 live in Düsseldorf

Jochen Distelmeyer – androgyner Held meiner Jugendtage. Mit der Band “Blumfeld”, den Vorreitern der Hamburger Schule, steht er für intellektuelle deutsche Texte und eingängige Melodien. Ohne ihn ist Blumfeld nicht denkbar, doch er ist ohne die Band fast noch besser.

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Sein zweites Soloalbum “Songs from the Bottom, Vol. 1” erschien vor wenigen Wochen – darauf versammelt nur englischsprachige Coverversionen von Lana Del Ray über Britney Spears bis Radiohead und The Verve. Völlig entgegengesetzt zu dem, was ich bisher von Jochen Distelmeyer kannte. Auch reduziert er sich und die Musik seiner Coversongs auf das Wesentliche – Akkustikgitarre und Klavierbegleitung setzen die einzigen Akzente. Ruhig und in betont schlichter Eleganz, dabei aber überraschend anders und doch vertraut klingen die Coverversionen. Genau deshalb ist es schon jetzt eines meiner Lieblingsalben 2016.

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Auch gestern im Zakk in Düsseldorf, wo Jochen Distelmeyer sein Soloprogramm vorstellte, wurde ich nicht enttäuscht. Das ausverkaufte Konzert im kleineren Saal des alternativen Zentrums trat ein sichtlich entspannter und fröhlicher Musiker vor die Menge und amüsierte mit kleinen Witzeleien und beeindruckte durch Musikwissen von Wilco bis The Beatles.

Doch auch wenn Jochen Distelmeyer bereits 2009 ein Soloalbum mit “Heavy” vorlegte, konnte man eigentlich von einem kurzen Konzert ausgehen. Doch für die 16 Euro Eintrittsgeld bekam man neben “Songs from the Bottom, Vol. 1” noch so viel mehr Musik geboten. Nach tosendem Applaus für das reguläre Set ließen es sich Friedrich Paravicini am Klavier (den Hamburgern vielleicht eher am Cello bei Jonas Schön/Buggy Braune oder am Xylophon bei Stefanie Hempel bekannt) und Jochen Distelmeyer (an insgesamt drei verschiedenen Akustikgitarren) nicht nehmen, ein großartiges Set aus alten “Blumfeld”-Songs zu spielen. Kaufe Distelmeyer, bekomme Blumfeld gratis. 😉

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Dabei durfte natürlich ein Song nicht fehlen…

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Doch auch nach dieser aus fünf Songs bestehenden Zugabe war noch lange nicht Schluss! Endlich lag eine Tour einmal passend für den “songwritertechnischen Fehlgriff”, wie Distelmeyer sich ausdrückte. Endlich konnte er einmal “April” spielen, einer der wohl am seltensten gespielten Songs des Künstlers.

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Den fulminanten, aber auch bewegenden Abschluss bot “Free as a Bird” – ein Beatles-Song, der nach dem Tod von John Lennon aus einem Songfragment aus seinem Nachlass entstand. Gänsehaut.

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Da verzeiht man dem Künstler auch das Entfant Terrible, welches er gerne  auf der Bühne zelebriert, bevor er eine angefangene Zigarette an den Seiten seiner Gitarre befestigt und verglimmen lässt.

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